Eine Chronik der emotionalen Wechselbäder.
Der Spielbericht aus der "11-Freundebar" in Essen..
geschildert aus der Sicht eines Fans
![]() Die feiernde Meute... |
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Langsam bildete sich eine Schlange fußballwütiger Menschen vor dem ehemaligen Lagerhaus der Firma Holz Conrad in Rüttenscheid, in der die Bar „11 Freunde“ zwei Leinwände aufgebaut und Platz für über 1000 Fans geschaffen hat.
Gegen 14 Uhr, als die Schlange allmählich auf 200m angewachsen war, wurde der begehrte Einlass gewährt.
Die Massen, einheitlich in Schwarz und Weiß gehüllt und mit Fahnen aus schwarz, rot und gold ausgestattet, strömten hinein und bevölkerten die aufgestellten Bierzeltgarnituren.
Je näher der Anstoß des Spieles Deutschland - Argentinien rückte, desto voller und lauter wurde es in der Halle. Die Fans stimmten sich mit zahlreichen Fangesängen schon Stunden vor dem Spiel auf selbiges ein. Die Stimmung war also schon weltmeisterlich.
Aber wie stand es mit der Leistung unserer Mannen?
Wer ein fulminantes Fußballspiel erwartete, das ähnlich wie das gegen Schweden begann – also mit einer frühen Führung für Deutschland - wurde in der ersten Halbzeit enttäuscht.
Man merkte beiden Mannschaften ihren Respekt vor dem Gegner an. Dennoch tat dies der Stimmung in der Halle keinen Abbruch, hielt man sich doch mit den schon angesprochenen Fangesängen wach.
Mit dem Halbzeitpfiff begann der Run auf die Toiletten und die Fachgespräche über die soeben gesehene Leistung.
Im Allgemeinen war man noch von der Hoffnung auf ein besseres Spiel in der kommenden Halbzeit beseelt.
Die zweite Halbzeit war noch jung, viele Fans kamen noch von den Toiletten wieder, überall herrschte noch Gemurmel, da brach plötzlich eine jähe Stille über die Fanschar herein – manch einem standen schon Tränen in den Augen - als die Gauchos nach einer Ecke in der 49. Minute zum 1:0 trafen.
Es dauerte jedoch keine halbe Minute, als man zu einem kräftigen „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid!“ anstimmte.
Von diesem Moment an konnte man ein Feuer in der Deutschen Mannschaft erkennen, das man in der ersten Halbzeit ernsthaft vermisst hatte.
Auch die Stimmung der Fans kochte nun mit der Leistungssteigerung der deutschen Mannschaft wieder hoch. Eine viertel Stunde vor Spielende jedoch sank bei manchem die Hoffnung auf den herbeigesehnten und verdienten Ausgleich und die Anspannung stieg.
Dann die 80. Minute.
Nach einer unscheinbaren Flanke verwandelte der goldrichtig stehende Klose zum 1:1 Ausgleich!
Was dann folgte, waren Minuten der Euphorie und des Hörsturzes. Man war nicht mehr in der Lage sein eigenes Gebrüll zu hören. Selbst der Unbekannte von nebenan wurde nun mit einer herzlichen Umarmung gedrückt.
Von nun an wurden die letzten 10 Minuten zur Nebensache. Niemand glaubte daran, dass man jetzt noch einen Treffer kassieren würde und so war es dann auch.
Mit einem 1:1 ging es in die Verlängerung, die zwar torlos, aber nicht minder spannend war, was dazu führte, dass man vor lauter Anspannung von hinten Finger in den Rücken gekrallt bekam.
Und dann war es so weit.
Was niemand für möglich gehalten hatte war eingetreten!
Elfmeterschießen gegen Argentinien, womit auch diese Begegnung zwischen den beiden Mannschaften sich in die Reihe der unvergesslichen Begegnungen gesellte.
Das Elfmeterschießen begann und die Stimmung war am Siedepunkt angelangt.
Der erste deutsche Schütze läuft an, schießt und der argentinische Torwart ist chancenlos –TOR! 2:1.
Dann der Argentinier – Lehmann ahnt die Ecke und verpasst nur knapp – der war zu gut geschossen 2:2.
Dann wieder Deutschland und wieder ist der argentinische Torhüter chancenlos 3:2.
Nun nahm wieder Lehmann, der Elfmeterkiller, im Tor seinen Posten ein.
Der Argentinier läuft an – Lehmann erahnt die Ecke – Springt nach unten rechts vom Schützen aus gesehen und er hat ihn. Die „11 Freunde-Bar“ gleicht nun einem Tollhaus.
Die Fans springen auf, umarmen sich, denn Deutschland liegt jetzt nach insgesamt 4 Elfmetern mit 3:2 Toren vorne. Die Chance auf den Einzug ins Halbfinale ist nun zum Greifen nahe, aber erst mal müssen noch ein paar Elfmeter geschossen werden.
Der dritte Deutsche läuft an und erhöht zum 4:2, jedoch gelang es diesmal auch den Argentiniern ihren dritten Elfmeter zu verwandeln. 4:3.
Nachdem Deutschland seine Chance genutzt hat, wieder ein Tor vorzulegen, war es nun an Cambiasso seinen Elfmeter zu verwandeln. Tat er es nicht, so würde Argentinien ausscheiden.
Cambiasso läuft an und schießt nach unten halb rechts, wo Lehmann, der wieder die Ecke erahnte, keine Mühe hatte den schwach geschossenen Elfmeter zu halten und Deutschland somit den Einzug ins Halbfinale zu sichern.
In dem nun folgenden Freudentaumel, der wohl überall in Deutschland losbrach, bemerkte kaum einer die unschönen Rangeleien unter den Spielern, die von den Argentiniern ausgelöst wurden und welche sich somit als überaus schlechte Verlierer outeten.
In Erinnerung blieb ein derart spannendes Fußballspiel, das deutsche Fußballfans schon lang vermisst haben und das durch seinen erfreulichen Ausgang gekrönt wurde und das Anlass zur Vorfreude auf Deutschland gegen Italien im Halbfinale gibt.
In diesem Sinne 54 74 90 2006.......
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